Grazer Bike Marathon 2014 – Stattegg/Graz

Am Sonntag, den 17. August 2014 galt es die Classic Distanz von 66 km und 2651 hm in Stattegg zu überwinden. Da heuer die Masters EM in Bad Goisern stattfand, wurde nicht die WM Strecke von 2009 gefahren sondern „nur“ die normale Classic Distanz. Aber auch diese Strecke beinhaltet alle technisch schwierigen Stücke, wie den Gratkorn Trail, den Bügermeister Steig, die ruppige Auffahrt zum Nordlift, den gefürchteten, brutalen Schöckl Downhill und den heuer sehr rutschigen Falschgraben. Eigentlich wollten wir heuer gar nicht starten aber unsere tollen Zwischenplatzierungen in den Cup Wertungen wollten wir dann doch noch festigen. Ob uns das gelang, könnt ihr gleich lesen.

Sabine:
Der Grazer Bike-Marathon in Stattegg ist seit langem ein Fixpunkt in unserem Rennkalender und ich wollte sowohl in der Challenge-Wertung als ich im Marathon Cup meinen Gesamtsieg fixieren. Die Anreise nach Stattegg war sicher die aufregendste ever. Wir fuhren um 6 Uhr in Melk weg. Um 7:18 läutete das Handy. Alex‘ Mutter meldete sich, um zu fragen, ob wir eh unsere Schuhe mithaben. Nach einer Schreckminute entschieden wir, dass wir uns in Alland zur Schuhübergabe treffen und dann versuchen, rechtzeitig zum Start dort zu sein. Das Navi sagte, dass wir um 10:08 Uhr ankommen werden. Also Gas geben, denn um 10 Uhr wird gestartet. Ich fand die Nummer von Jürgen Pail dank Smartphone heraus, rief ihn an und bat ihn, ob er uns die Startsackerl mit zum Start am Marktplatz nehmen könnte. Alles klappte. Danke an Jürgen (es ist nicht selbstverständlich, dass man den Veranstalter am Renntag erreicht und dass er sich um die Probleme von zwei Rennteilnehmern kümmert – DANKE!!!) und an Alex‘ Mama, die das alles überhaupt erst ermöglichte.
Heute wollte ich schauen, ob ich zwei Tage nach Mühldorf wieder ein ähnlich dosiertes und gleichmäßiges Rennen fahren konnte. Da wir kaum aufgewärmt hatten, war es super, dass wir am Marktplatz starteten, denn dann gab es zuerst noch einige Minuten zum „Einrollen“ auf der Straße. Rauf zur Leber ging es mir dann recht gut. Ich musste ja nicht voll fahren und ich spürte, dass ich heute bessere Beine hatte als beim Weinstein-Bike. Auf der ersten langen Abfahrt auf Schotter passte ich besonders gut auf, denn hier sah ich jedes Jahr einen Sturz. Leider passte ich bei den gatschigen Abfahrten einmal zu wenig auf und so rutschte ich in einer Kurve weg. Ich landete sehr weich und konnte sofort weiterfahren. In den folgenden langgezogenen Anstiegen konnte ich in einer Gruppe mitfahren und war die einzige, die unseren Tempomacher Adolf Wakonig auch mal ablöste. Das finde ich oft schade, dass man hier nicht „miteinander“ fährt, denn so hätten wir gemeinsam ein noch besseres Tempo fahren können. Bald ging es wieder bergauf und ich fuhr gleichmäßig weiter. Bergab wollte ich nichts riskieren und fuhr sehr vorsichtig, da durch den Regen alle Trails sehr anspruchsvoll waren. Am Schlussanstieg auf den Schöckl nahm ich dann nochmals Tempo raus, da hinter mir niemand war und mich auch niemand überholte. Ich wollte auch möglichst konzentriert in die Abfahrt gehen, denn letztes Jahr war ich durch meine oftmaligen Kettenausfälle hier schon etwas entnervt, was sicher auch zum Teil zu meinem Sturz beigetragen hat. Heuer ging es mir super. Es macht schon einen Unterschied, wenn man die schwierigeren Passagen ohne Druck und in langsamem Tempo runterfahren kann. Heuer war der Falschgraben auch sehr rutschig und so war ich froh, dass ich heil und in einer guten Zeit von 3:55 Stunden im Ziel war. Meine beiden Vorbereitungsrennen sind also gut verlaufen und bei der Auswertung des Radcomputers sah ich, dass ich bei beiden Rennen genau den gleichen Durchschnittspuls hatte und somit schon mal einen Anhaltspunkt für das Rennen mit 5000 Höhenmetern nächste Woche habe.

Alex:
Über unsere lustige Anreise, hat ja Sabine schon berichtet, aber dennoch war ich voll motiviert und nahm mir einiges vor für dieses Rennen. Die Taktik war einfach: Nach dem Einrollen auf den ersten 2 Kilometern mit voller Power den ersten Berg und aggressiv in den ersten Downhill. Ich wollte unbedingt am Ende des ersten schwierigen Trails bis Gratkorn vor meinen direkten Konkurrenten um die Podiumsplätze liegen. Da aber die meisten schneller bergabfahren wie ich, musste ich um einiges schneller am Berg sein. Da mit Georg Koch ein übermächtiger Gegner am Start war, ging es nur um 2 Stockerlplätze.
Und wirklich ich konnte bereits nach kurzer Zeit am ersten Berg alle meine Alterklassen-Kollegen stehen lassen und befand mich auch am Ende des Trails, trotz eines kurzen Ausrutschers noch vor ihnen.
Dann kurz nach der ersten Labe, stürzte ich fast in einer schnellen Kurve, da mir das Vorderrad wegrutschte. Jetzt erst bemerkte ich, dass ich Luft im Vorderrad verlor. Ich fuhr noch ein Stück weiter, aber leider war jetzt die Strecke sehr kupiert und mit vielen Kurven und ich musste sehr vorsichtig fahren und verlor meinen Vorsprung. Franz Leitner holte mich als erster ein und ich verlor bei jeder Kurve ein paar Sekunden. Also entschied ich mich zum Luft nachpumpen: Stehen bleiben, Patrone aus Satteltasche hervorkramen und einpumpen. Hört sich nach ein paar Sekunden an, aber wie immer braucht man eine gefühlte Ewigkeit und dann pumpte ich auch noch die ganze Patrone ein mit dem Effekt, das es einen Schnalzer machte und die Minipumpe mit der Patrone vom Ventil sprang und wieder viel Luft ausging. Aber es war etwas mehr Luft drinnen. In der Zwischenzeit hatten mich etliche Fahrer überholt unter anderem auch ein Sport-Nora Fahrer aus meiner Klasse. Ich lag also vermutlich auf Platz 4. in meiner AK.
Also machte ich mich auf die Verfolgung und überholte wieder einige Fahrer. Leider war für die schnellen Kurven und schwierigen Trailstücke immer noch zu wenig Luft drinnen. Im Schneckentempo meisterte ich den groben Bürgermeister Steig mit der Hoffnung bei der Labe auf der Leber in ein paar Minuten jemand mit einer Luftpumpe zu finden. Es waren unzählige Betreuerinnen und Betreuer, aber keiner hatte oder wollte mir eine Luftpumpe borgen. Rufend fuhr ich durch die ganze Labezone und vergaß ganz auf das Auffüllen der Flasche. Nach der Labe lehnte ich frustriert das Bike an einen Tisch eines Gastgartens der direkt neben der Strecke liegt und dachte mir, ich warte auf Sabine und sag ihr, dass ich aufgebe und im Ziel auf sie warte. Ich hatte zwar noch eine Patrone, aber nachdem die harten Downhills noch auf mich warteten und wir erst 50% der Strecke gefahren waren, sah ich keine Chance mit einer Patrone das Ziel zu erreichen.
Aber auf einmal kam der Wirt herausgelaufen und rief, er hat einen Kompressor. Also marschierten wir zu seiner Garage, er schaltete den Kompressor ein und hatte sogar einen Adapter für mein Ventil. Der Wirt gab sich alle Mühe, aber natürlich kam mir alles wie in Zeitlupe vor. Ich schaffte es aber nach 2,3 Minuten wirklich ca. 2,2 Bar in den Reifen zu pumpen und die Luft schien zu halten. Anscheinend hatte die Latex-Milch wieder abgedichtet. Ich bedankte mich und nahm das Rennen wieder auf. Laut Zwischenzeit lag ich vor der Aktion mit dem Kompressor auf Platz 25 Gesamt (vor dem Luftverlust war ich auf Platz 13). Während wir Luft einpumpten überholten mich auch noch sicher 5 Fahrer, aber jetzt fing erst der ultraharte lange Anstieg auf den Schöckl an. Ich versuchte mich wieder zu motivieren und konnte wieder viele Fahrer überholen. Am Schöckl lag ich auf Platz 20 und begab mich in den gefürchteten Downhill. Nach den ersten ruppigen Passagen hörte ich wieder ein „Pffff“ und ich verlor wieder etwas Luft, aber die Milch dichtete wieder ab. Dennoch musste ich noch mehr Tempo bergab rausnehmen und ich verlor wieder 2 Plätze, die ich aber bei jedem Anstieg wieder wettmachte. Die letzten 10 Kilometer waren sehr kupiert mit 2 längeren Anstiegen, hier konnte ich 3 Fahrer überholen und ich sah noch 2 weitere Fahrer vor mir. Leider musste ich dann 5 Kilometer vor dem Ziel wieder Luft einpumpen und so verwendete ich meine letzte Patrone. Ich konnte noch 2 Fahrer überholen, wobei ich einen wieder im letzten Downhill, dem Falschgraben verlor. Mit 0,5 Bar im Vorderreifen rettete ich mich mit einer Fahrzeit von 3:47 ins Ziel und belegte Rang 4 in meiner AK und den 18. Gesamtrang. Eventuell hätte ich gleich am Anfang meinen Ersatzschlauch verwenden sollen, aber die Form stimmt und es war das erste technische Problem heuer und meine erste Reifenpannen seit weit über einem Jahr.

Links zum Rennen:
Homepage Veranstalter
Ergebnissliste Classic
Bildbericht im Bikeboard
Bericht Radmarathon
Video vom Marathon
Video Siegerehrung

Bilder vom Rennen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.