Kitzalpbike Marathon WM 2013 – Kirchberg

29. Juni 2013 – Saisonhöhepunkt der Mountainbike Marathon Elite – Weltmeisterschaft beim Kitzalpbike in Kirchberg/Tirol und Sabine mitten dabei. 85 Kilometer und 3700 Höhenmeter galt es zu meistern und 61 Starterinnen aus ca. 30 Nationen waren am Start.

Sabine:
Meine erste WM – zu meinem 40er. WOW, aber da bin ich in bester Gesellschaft, denn an diesem Tag kürte sich Gun-Rita Dahle auch in ihrem 40. Lebensjahr zur Weltmeisterin. Eine weitere Parallele ist, dass wir beide Mütter sind. Sie hat ein Kind – ich zwei und damit war´s das dann auch schon, denn laut Medienberichten war sie bereits eine ganze Woche vor Ort, um sich akribisch vorzubereiten. Ich hingegen hatte Glück, dass ich den Freitag frei bekam und wenigstens noch am Donnerstag Nachmittag zur Teambesprechung der Österreicher anreisen konnte. Ich habe dann überlegt, ob ich den Trail am Freitag nochmals abfahren soll (ich habe ihn ja letztes Jahr schon kennengelernt und 3 Wochen zuvor waren wir mit den Kindern in Kirchberg, wo ich ihn auch mal besuchte, aber dicke Freunde sind wir noch nicht geworden) und deshalb entschied ich, dass ich am Renntag einfach das Beste daraus machen werde und am Vortag keine Panne oder gar Sturz riskieren möchte, was eine sehr gute Entscheidung war.
Am Renntag liefen die Vorbereitungen bestens, denn wir übernachteten wieder in der Villa Lisa und bekamen bereits um 5:15 Uhr unser Frühstück und konnten uns im Zimmer noch etwas ausruhen, bevor es losging. Aufwärmen, umziehen, zum Start fahren, alles lief nach Plan und ich fühlte mich sehr gut. Nicht einmal das Gedränge in der ersten Kurve nach dem Start, bei dem mir eine tschechische Fahrerin so unglücklich mit ihrer Federgabel in meine Speichen fuhr, dass es krachte, konnte meine positive Stimmung trüben. Sie hat mich brutal geschnitten und ich konnte einfach nicht mehr ausweichen, dabei wurde eine Speiche verbogen. Das konnte ich aber zu dem Zeitpunkt nicht eruieren, da ich mich voll auf den neutralisierten Start konzentrieren musste. Erst danach, als es bergauf ging, fühlte ich mich wohler und fand schnell meinen Rhythmus. Ich ließ mich absolut nicht aus der Ruhe bringen, obwohl es ständige Positions- und Tempowechsel gab. Auf der letzten, sehr steilen Passage hinauf zur Choralpe merkte ich dann, dass ich heute sehr gute Beine hatte, ich fuhr, wo meine Konkurrentinnen bereits schieben mussten und konnte auf diesem kurzen Abschnitt fast 10 Plätze gut machen. Oben freute ich mich riesig, da meine Freundin Karin Gutenbrunner samt Familie mich anfeuerte und auch Alex rechtzeitig in der technischen Zone war. Danach ging es lange bergab (über die Wiegalm – super zu fahren) und ich konnte meine Platzierung halten. Nun folgte der 1000 Höhenmeter-Anstieg zur Ehrenbachhöhe und weiter zum Pengelstein. Hier gelang es mir sehr gut, ein hohes Tempo zu fahren, auch wenn es schon hart war. Zugleich wusste ich, dass ich mich anschließend in der langen flachen Abfahrt ganz gut erholen kann beziehungsweise dass diese mir entgegenkommen würde – also mit Vollgas rauf zum Pengelstein und danach ging meine Taktik voll auf. Hier holte ich zunächst Milena Landtwing ein und kurz nach Aschau noch Elisabeth Osl. Bis zur Schirast fuhren wir gemeinsam, wo es die nächste Labe gab. Alex hatte wieder eine Flasche für mich und so konnte ich am letzten langen Anstieg rauf zur Ehrenbachhöhe nochmals alles geben. Es lief nicht ganz perfekt, da ich die Norwegerin Borghild Lovset wegen zwei taktischer Fehler ziehen lassen musste, aber ich fuhr ein noch annehmbares Tempo und nahm mir oben bei der Labe einen Becher Cola, um für die Abfahrt gestärkt zu sein. Milena und Elisabeth hatten bereits einen Rückstand, aber ob ich meinen Vorsprung bergab halten kann, war fraglich. Also stürzte ich mich in die Abfahrt. Leider touchierte ich nach wenigen Minuten in einer engen Kurve einen Baum mit meinem Lenker und musste vom Bike, auch danach ging es nicht so super, aber ich hatte eine „Reserve-Taktik“, die ich im schlammigen Waldstück gleich anwenden konnte. Als mich dort Elisabeth Osl überholt hatte, nahm ich mein Bike und lief, was das Zeug hergab und es funktionierte sehr gut. Danach waren wieder besser fahrbare Passagen. Gerade als ich wieder einen blöden Fahrfehler machte, überholte mich Milena Landtwing. Aber heuer gelang es mir, meine positive Einstellung zu bewahren. War ich letztes Jahr schon etwas entnervt von dem Herumgekurve zwischen Bäumen und Wurzeln, kämpfte ich mich heute tapfer bergab und näherte mich mit einer Riesen-Vorfreude dem Zielgelände. In einer Zeit von 5:04 Stunden und mit 28 Minuten Rückstand auf die Siegerin überquerte ich die Ziellinie. Ich freute mich total und das Schönste war, dass ich meine Freude mit jemandem teilen konnte, nämlich mit meinem Mann Alex, dem besten Bike-Partner, den man sich vorstellen kann. Er hat heute auf ein Rennen verzichtet, um mich zu betreuen. Er repariert und wartet mein Bike, organisiert sehr vieles und ist meine Stütze. Vielen Dank dafür.
Absolut zufrieden kann ich nun auf diesen Tag zurückblicken, ich hatte bergauf gewaltig gute Beine, holte bergab das Bestmögliche heraus und bin taktisch clever gefahren. Der 14. Platz bei dieser Weltmeisterschaft ist wie ein Sieg für mich –eigentlich ist es das wahrscheinlich auch, denn in meiner Kategorie „berufstätige Mutter zweier Kinder“ bin ich sicher ganz vorne dabei.

Ergebnisse World Championship
Homepage Kitzalpbike Marathon
Nachbericht Bikeboard
Bericht Radmarathon

Bilder vom Rennen:

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